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Kino zum Hören: Film und App im Test

Eine Ballerina muss nicht sehen können! Das weiß unsere Kollegin Felicitas, seit sie den Film „Looking at the stars“ im Kino gesehen hat. Im Film geht es um eine Ballettschule, in der Kinder und Jugendliche mit und ohne Sehbehinderung gemeinsam tanzen. Das Beste ist: Auch um den Film zu erleben, muss man nicht sehen können. Wenn ihr ins Kino gehen wollt und eine Sehbehinderung habt, hilft euch die App GRETA. Felicitas und die Sängerin CassMae haben sie für euch ausprobiert.

Auf einer Straßenbrücke steht eine Balletttänzerin.
Der Film „Looking at the stars“ spielt in São Paulo in Brasilien. Foto: W-Film 2020

Von Felicitas Offergeld

Ich wollte gerne den Film „Looking at the stars“ sehen. Der Titel bedeutet „zu den Sternen schauen“. Die Ballettlehrerin Fernanda Bianchini sagt im Film: „Eine Ballerina muss immer zu den Sternen aufschauen, auch wenn sie diese nicht sehen kann.“ Ich war sehr gespannt darauf, wie Mädchen und Jungen Ballett tanzen können, wenn sie nichts oder nur ganz wenig sehen.

Mit der App GRETA ins Kino

Ich hatte gelesen, dass es den Film auch mit einer Audiobeschreibung für Menschen mit Sehbehinderung gibt. Dazu braucht man die App GRETA.

Eine Frau mit langen blonden Haaren steht auf einer Bühne und singt in ein Mikrofon. Sie trägt ein buntes Sommerkleid.
CassMae kennen wir vom Tag der Begegnung. Hier stand Sie für den LVR auf der Bühne und hat das Publikum mit ihrer Stimme und ihrer tollen Ausstrahlung begeistert. Foto: Ludolf Dahmen / LVR

Wie diese App funktioniert, hat mir die blinde Sängerin CassMae erklärt, die GRETA bereits ausprobiert hat: „Mit der GRETA-App kann man sich im Kino oder zuhause einfach mit dem Handy Filme beschreiben lassen, zusätzlich zu dem vorhandenen Ton. Man benötigt dann im Kino kein WLAN, da man sich die Audiodeskription vorher herunterladen kann. Sie wird dann automatisch, wenn der Film läuft, erkannt. Dies kann besonders bei Filmen, in denen nicht viel gesprochen wird, sehr hilfreich sein, da die Szenen dann beschrieben werden. Man kann die Beschreibungen auch nach Bedarf pausieren.“

Das Foto zeigt einen Screenshot der App GRETA
Und so sieht die GRETA-App aus, wenn ihr sie auf eurem Handy herunterladet.

Also habe ich mir die App vor dem Kinobesuch zu Hause auf meinem Handy heruntergeladen. Das war ein bisschen kompliziert: Ich musste mich bei GRETA anmelden, also meinen Namen eingeben und ein Passwort vergeben. Diese Anmeldung musste ich mit einer E-Mail bestätigen. Es gab also ziemlich viel Text und viele Schritte bis ich mit der Registrierung fertig war. Aber im Kino hat GRETA toll funktioniert: Ich habe Kopfhörer aufgesetzt und dann hat mir während des Films eine Stimme in der App beschrieben, wohin eine Person gerade läuft oder, wie die Tanzkostüme aussehen. Die Beschreibungen haben immer zu der gerade laufenden Szene gepasst.

Auch CassMae ist von der App begeistert: „Ich bin sehr froh, dass ich so die Möglichkeit habe, viele Filme im Detail zu erleben und ich nicht bei ruhigen Szenen nachfragen muss, was gerade passiert. Super ist auch, dass die App Untertitel für hörgeschädigte Kinobesucher anbietet.“

Und darum geht's im Film: Die 14-jährige Thalia findet ihren Weg

Noch etwas zum Film „Looking at the stars“: Mir haben besonders die Szenen gefallen, in denen man die Schülerinnen und Schüler beim Ballettunterricht sieht. Das war interessant: Wenn sie nicht sehen, welche Bewegungen der Lehrer oder die Lehrerin vormacht, stellen sie sich hinter ihn oder sie. Dann legen sie ihre Hände auf die Arme oder Beine des Lehrers oder der Lehrerin und fühlen, wie diese sich bewegen. So lernen die Kinder die Schritte und den Tanz.

Die Ballettschule steht in São Paulo in Brasilien. Dort wohnt auch das blinde Mädchen Thalia. In ihrer Schule ist sie eine Außenseiterin, ihre Mitschülerinnen und -schüler wollen nichts mit ihr zu tun haben. Doch wenn sie tanzt, ist sie glücklich - in ihrer Ballettschule fühlt sie sich aufgehoben, sie hat viele gute Freundinnen. Der Film zeigt, wie Thalia lerne, mit dem Blindenstock zu gehen und sich alleine auf der Straße zu bewegen. Sie feiert mit ihrer Familie ihren Schulabschluss und erklärt, wie sie für ein Radioprogramm arbeitet. Am Computer schreibt Thalia außerdem gerne Geschichten. Am Ende stellt sie sogar ihr selbst geschriebenes Buch vor.

Thalia lernt, dass es gut ist, Ziele zu haben. Denn wenn man ein Ziel erreichen möchte, fällt es leichter, dafür zu kämpfen. Das meint die Ballettlehrerin, wenn sie sagt: „Eine Ballerina muss immer zu den Sternen aufschauen, auch wenn sie diese nicht sehen kann.“ Denn für das Ziel, eine gute Tänzerin oder ein guter Tänzer zu werden, muss man viel trainieren. Sehen können muss man hingegen nicht.

Das Foto zeigt zwei Mädchen in Ballettkleidung. Sie sitzen auf dem Boden und wärmen sich gemeinsam auf.
Im Film trainieren Tanzschülerinnen mit und ohne Sehbehinderung gemeinsam. Foto: W-Film 2020

„Looking at the stars“ erscheint am 21.08.2020 auf DVD. Am 20.08.2020 startet der Film als Video on demand VOD. Er richtet sich an Jugendliche und Erwachsene.

GRETA:

  • Die App kann aus dem App Store oder aus Google Play heruntergeladen werden.
  • Sie braucht ungefähr 52 MB Speicherplatz.
  • In der App sind nur die Filme zu finden, die eine Audiodeskription und Untertitel haben. Diese werden von den Produzenten, dem Kinofilm-Verleiher oder der Fernsehanstalt erstellt und nicht von GRETA.

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